Bildstrecke: Cancun in Mexiko: Feuer unter Wasser

Unterwasser Skulpturen Musem Mexiko Cancun Isla Mujeres Jason de Caires Taylor, AP

Brennende Männer und traurige Denker: Vor der Isla Mujeres in Mexiko treffen Taucher auf seltsame Gestalten, die nicht nur faszinieren, sondern das Riff schützen sollen.

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Knast

Ismet Berkan schreibt in der Radikal über die ‘wunderbaren’ Zustände in der Türkei, genauer, über die Tatsache, dass über 100.000 Menschen dort im Knast schmoren, und noch kein Urteil gefällt wurde. Er berichtet von einer Journalistin, Aylin Duruoglu, die nach 302 Tagen wieder aus dem Knast kam, nachdem sie dann endlich mal einem Haftrichter vorgeführt worden war. Bekanntlich sind derzeit auch einige ranghohe Armeeangehörige an die Reihe gekommen, mal die Zellen der Zivilgesellschaft zu belegen. Berkan begründet das Lange-in-Haft-Sein-ohne-Urteilsspruch damit, dass so ein Vorgehen in der Türkei “tedbir”, also eine Maßnahme sei, die offensichtlich nicht gegen den Buchstaben des Gesetzes verstößt. Derart könne vermieden werden, dass Beweismaterial vernichtet werde oder die Flucht eingeschlagen wird – und das Leute, die nicht so denken wie diejenigen an der Regierung, sich die Verhaftung von prominenten, aufmüpfigen Figuren schon mal als Warnung nehmen und entsprechend kuschen, möglichst, bevor es auch sie trifft.
Zwar gebe es die Möglichkeit, viele dieser Inhaftierten aus den Knästen zu lassen und ihnen aufzuerlegen, sich beispielsweise ein Mal die Woche bei der Polizei zu melden. Das werde aber in der Praxis äußerst selten so gemacht.
Und für all die, die vor haben, in der Türkei Urlaub zu machen, erwähne ich, dass Berkan des weiteren schreibt: “In unserem Land geben die Richter eine Verhaftungsaufforderung sehr schnell raus. Ein konkretes Beispiel mag ich nicht geben, da die Fälle noch am Laufen sind und ich nicht als jemand, der sich da direkt einmischt, auftreten mag. Doch es gibt konkrete Beispiele, welche auf neue Fälle durchaus anwendbar sind: Also: Zuerst bekommt der Staatsanwalt eine namenlose Anzeige bezüglich Ihrer Person. Der Staatsanwalt stuft die darin befindlichen Anschuldigungen als ernstzunehmend ein und beginnt daraufhin seine Untersuchungen Ihres Falles. Gibt es einen geheimen Zeugen, der die Behauptungen wiederholt, finden Sie sich im Knast wieder. So einfach ist das. Ich behaupte, dass ist das beklemmenste und wichtigste Problem im türkischen Justizsystem! Also die Angelegenheit, dass die Verhaftung einer Person leicht erfolgt, und wenn sie verhaftet ist, der Verhaftete nur schwerlich und nach langer Zeit seine Verhaftung wieder aufheben kann.”

Nun, für all diese Betroffene, die in türkischen Knästen schmoren, hat sich Hillary Clinton jedenfalls nicht stark gemacht, als sie in den USA die Türkei vor Anwerfungen letztens schützte. In den Staaten wird nämlich am 4. März 2010 darüber befunden, ob damals die Angelegenheit mit den Armeniern ein Völkermord war oder nicht,genauer: welchen Sprachgebrauch Washington zukünftig diesbezüglich an den Tag legen wird. Wie zu lesen ist in der türkischen Tageszeitung namens Radikal, verteidigt die Clinton die Türkei auch gegen Anschuldigungen eines gewissen Steve Israil im Abgeordnetenhaus, der findet, die Türkei blockiere in Sachen Zypern und beim Öffnen der Schule zur Ausbildung von Priestern der Ostkirche in Istanbul, wo sie, die Türkei, wenig dafür tue – und sie habe sich gefährlich nah dem Iran genähert, dessen Bemühungen in Sachen Atomkraft von Erdogan und dessen Männern klein geredet würden. Ganz zu schweigen von Darfur, wo Erdogan wissen ließ, dass Muslime solche Verbrechen nicht begingen.

Immerhin und zum Glück haben es die Europäer geschafft, in gewisser Weise anwaltlich, den Schweizern etwas unter die Arme zu greifen – versteht sich, das offensichtlich nur, weil die Schweizer den Sack derart zugezogen hatten, dass die EU eigentlich nicht mehr viel anders reagieren konnte – die Einreisesperre für Lybier in den Schengenraum ist gemeint.

Leider hat der gute Onkel Ghaddafi nicht so reagiert, wie man wahrscheinlich irgendwo erwartete in Brüssel und Bern. Obwohl man hätte wissen müssen, dass der Lybier immer ein Tick exzentrischer ist als man es erwartet. Nun hat er also den Tschihad ausgerufen. Die Schweizer, wenn es hier richtig verstanden wird, sind jetzt also vogelfrei. Sehr ernst, wie ich von Schweizern hier auf Zypern vernehme, nimmt das offensichtlich niemand. Dennoch, da ist noch der eine Schweizer in Haft in Lybien. Der löffelt die Suppe all dessen jetzt wohl nicht nur symbolisch aus.

Rein gar nicht symbolisch dürfte die Inhaftierung des einzigen türkischen Popstars, Tarkan, bleiben. Kann gut sein, dass sie ihn bald wieder laufen lassen. Hätten sie vielleicht schon getan, wenn er sich nicht vor nicht all zu langer Zeit eher regimekritisch geäußert hätte – was kokst er auch herum, und das in der Türkei. Istanbul scheint, nach dem was ich so höre, voll zu sein mit dem Zeug, erhältlich an nahezu jeder Strassenecke in Aksaray und Beyoglu etc. und in Gebrauch von Menschen, denen man das nie zugemutet hätte. Kann gut sein, dass der Tarkan nun dafür mitbrummt, die Hüften in der Vergangenheit und auf der Bühne zu sehr geschwungen zu haben, zu sehr mit dem Gerücht bisexuell oder ‘mehr’ zu sein ‘gespielt’ hat.

Zuguterletzt noch, was Scheich Nazim Kibrisli zu sagen hatte zu den Opfern der starken Regenfälle hier auf der Insel – und vielleicht findet er, wer weiß, dass sich das auch auf andere Vorfälle dieser Art anwenden lässt: “Die Menschen haben den Weg Allahs verlassen. Sie wissen noch nicht mal, welchen Weg sie eingeschlagen haben. Die Moscheen sind total leer, die Nachtclubs, Puffs, Bars und Spielcasinos sind voll mit Leuten. Dieses Unwetter ist ein Warnung Allahs. Wenn er will, kann er die Insel auf einmal mit Wasser überschwemmen. Er hat die Insel ohnehin bereits mehrmals untergehen lassen. Die Moral der Menschen ist zerrüttet. Sie sind beschmutzt, in Teile aufgelöst… Auf der Insel müssen die Zinsen aufgehoben werden, die Steuern gesenkt und ermöglicht werden, dass die Menschen wieder ungestört Luft holen können. … Die Menschen wie auch die Regierung müssen auf den Pfad Gottes zurückkehren …!” Der Scheich wohnt im Norden der Insel. Viele Deutsche gibt es, die sich dort hinbegeben, um ihm zu huldigen, oder mit ihm Allah zu huldigen. Letzteres ist zu verstehen, wie es einem passt.
In den Knast werden sie den Scheich wohl nicht stecken wegen seiner Äußerungen und eventuellen Machenschaften. Ist ja auch wahrscheinlich zu alt und, denke ich, das könnte mindestens so schlimm werden, als wenn der Erzbischof im Süden mal etwas eingesperrt werden würde, der durchaus auf seine Weise Gründe dafür liefert, manche sagen, am laufenden Band!

Wie im Knast ist es eigentlich, derzeit hier auf der Insel auf dem Land zu leben. Zum Ende der viel zu langen Jagdsaison wurde dieselbe nämlich von zwei Mal wöchentlich auf jeden Tag ballern-dürfen erweitert. Es ist, denke ich, zu gefährlich, durch Wiesen, Felder und Berge zu streifen – weil, man weiß ja nie!